"Der Tag der Arbeit sollte als Tag des Widerstands gegen ein ganzes System gesehen werden."

Allgemein

Gedanken unseres Stadtverbandsvorsitzenden Erik Olcese, die über den ersten Mai hinaus gehen - über Gerwerkschaften und Errungenschaften, für die wir ihnen dankbar sein sollten. 

„Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht.“

Der erste Mai ist der internationale Tag der Werktätigen. Viel mehr als ein gesetzlicher Feiertag, steht dieser Tag der Arbeit für die Errungenschaften der Gewerkschaften. Die Arbeiterbewegung hat eine lange Tradition, die sich in Deutschland im deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bündelt. In ihrer 125-jährigen Tradition hat sich der Gewerkschaftsbund immer wieder für würdige Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitskräfte in Deutschland eingesetzt. Die fünf-Tage Woche, Lohnfortzahlungen bei Krankheit und Arbeitsschutz sind nur einige Beispiele für die Leistung der Gewerkschaften.
Der Tag der Arbeit sollte aber nicht nur als Tag der Werktätigen erachtet werden, sondern als Tag des Widerstandes gegen ein ganzes System. Erst wenn die Arbeiter*innen von ihrer Arbeit leben können, wenn ihre Arbeit keine Gefahr für Leib und Leben darstellt und sie Mitsprache an Prozessen ihrer Arbeitsstätte haben, kann der Kapitalismus in seine Schranken gewiesen werden. Mit sozialen Forderungen am Arbeitsplatz, folgen Forderungen nach einer sozialeren Gesellschaft. So setzen sich die Gewerkschaften auch für Toleranz und Frieden ein.

Im Jahr 1950 hatte der DGB 5,4 Millionen Mitglieder. Diese Zahl wuchs bis 1999 auf 8,03 Millionen um sich dann dramatisch zu verringern. Im Jahr 2015 zählte der DGB etwas mehr als sechs Millionen Mitglieder. Diese Entwicklung sollte zu denken geben. Besonders in Zeiten, in denen über Freihandelsabkommen und eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich diskutiert wird, verlassen immer mehr Menschen einen wichtigen Motor für soziale Gerechtigkeit.

„Es rettet uns kein höh'res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!“

Faire Löhne und geregelte Arbeitszeiten, die noch Spielraum für Freizeit und Familie lassen, werden in unserem wirtschaftlichem System selten von den Arbeitgeber*innen bereitwillig zugelassen. Sich dagegen stemmen, kann sich eine Belegschaft aber nur als Einheit. Auf ein Wunder warten, sollte dabei niemand. Doch selbst kleinere Lohnanpassungen, wie jetzt gerade im öffentlichem Dienst erreicht wurde, ist nur durch gewerkschaftliches Engagement möglich.
Dabei ist jedoch schon lange nicht mehr alleine die Gier der Fabrikeigner oder der großen Unternehmensbosse die Gefahr für Einschränkungen in der Zukunft. Der französische Präsident unternimmt den Versuch ein „Reformpaket“, welches elementare Eckpfeiler der Arbeiterrechte aufzuweichen versucht, unter dem Credo der Flexibilität und der Konkurrenzfähigkeit durchzusetzen. Dieses Paket soll der Jugendarbeitslosigkeit entgegenwirken, in dem die 35-Stundenwoche verlängert werden kann, der Kündigungsschutz gelockert werden soll und Löhne gesenkt werden.

"Leeres Wort: des Armen Rechte,
Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!"

Es ist die Zeit gekommen, in der sozialstaatliche Prinzipien immer öfter über Bord geworfen werden, um weiteres Wachstum zu generieren. Diese Spirale, die Teile der Gesellschaften auseinander treiben lässt und sie dann gegeneinander auszuspielen versucht, ist eine Gefahr für uns alle. Dagegen halten können wir nur, wenn wir uns zusammenschließen und gemeinsam unsere Forderungen formulieren.
Doch wird immer ein Gegenwind herrschen. Arbeitskampf ist nicht einfach. Besonders nicht in einer Welt, deren einziges Ziel Wachstum ist. Wachstum übrigens, der nur auf den Schultern derer gelingt, die stumm bleiben. Hier nun ist die Zeit gekommen, das ganze Wirtschaftssystem zu hinterfragen. Muss ein Staat tatsächlich seine sozialen Errungenschaften verringern, müssen Löhne für qualifizierte Arbeiter*innen gekürzt werden, um ein Wachstum zu generieren?
Eine düstere Wolke ist am Horizont, auf halbem Weg über den Atlantik aufgezogen. Eine Freihandelszone mit einem Land zu schließen, welches bei Betrachtung von Arbeitnehmerrechten weit hinterherhinkt, soll für Prosperität sorgen. Dass viele „Hürden“ für Investoren abgebaut oder vor Schiedsgerichten verhandelt werden könnten, birgt mehr Gefahr für unser System, als es neue Möglichkeiten für kleinere und mittlere Unternehmen bietet.

„Unser Blut sei nicht mehr der Raben,
Nicht der mächt'gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben
dann scheint die Sonn' ohn' Unterlass!“

Nur als Einheit werden wir Angestellten und Arbeitnehmer*innen unseren Lebensstandard sichern können. Der erste Mai soll daran erinnern. Wir träumen von einer besseren und gerechteren Welt. Eine Welt, in der gleiche Arbeit, gleichen Lohn bekommt. Eine Welt, die nicht von Gier und Ausbeutung getrieben wird und die Mächtigen mächtiger werden lässt.

„Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht.“

 

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